Der Herbst hatte die Stadt in goldenes Licht getaucht. Blätter tanzten über den Gehweg, während Anna in ihrem kleinen Altbau-Appartement saß, eingekuschelt in eine weiche Decke, ein Buch in der Hand, aber mit Gedanken weit entfernt von der Geschichte. Es war der späte Nachmittag, und wie so oft wanderte ihr Blick irgendwann vom Text zur gegenüberliegenden Straßenseite – zu dem großen Fenster im dritten Stock.
Seit Wochen beobachtete sie ihn. Sie wusste nicht, wie er hieß, doch sie nannte ihn für sich „der Mann mit den ruhigen Händen“. Seine Bewegungen hatten etwas Bedächtiges, beinahe Hypnotisches. Mal las er auf dem Sofa, mal telefonierte er, mal lief er nackt durch das Wohnzimmer, ohne sich an Vorhängen oder Blicken zu stören.
Heute war wieder so ein Tag.
Anna lehnte sich zurück, das Buch rutschte von ihrem Schoß. Ihre Finger glitten fast unbewusst über ihre eigene Haut, den Hals entlang bis zur Brust. Ihre Brustwarzen waren schon hart unter dem Stoff ihres T-Shirts, als sie sah, wie er sich auszog – langsam, genussvoll. Er stand nackt am Fenster, streckte sich, als wolle er ihr ein Geschenk machen. Und sie nahm es an. Ganz.
Ihr Atem ging schneller, als sie ihre Hand tiefer wandern ließ. Unten war sie schon feucht. Ein sanftes Kreisen, ein zarter Druck – mehr brauchte es nicht, um sich völlig diesem Anblick hinzugeben. Sie stellte sich vor, wie seine Hände sich nicht nur über seine, sondern über ihre Haut bewegten, warm, fordernd, kontrollierend.
Als er plötzlich direkt zum Fenster blickte, erstarrte sie. Hatte er sie gesehen? Ihr Herz pochte bis zum Hals. Aber dann – ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen. Kein Schock, kein Zögern. Nur ein wissender, fast neckischer Blick.
Sie war ertappt.
Oder eingeladen?




